Gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt der Rechte des Anderen sind das A und O im Straßenverkehr. Im Auto, auf dem Fahrrad und auch zu Fuß. Ein IFFG Plädoyer.

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) wies im letzten Jahr ausdrücklich darauf hin: „Das Fahrrad ist gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs.“ Außerdem stellte auch die Rechtsprechung zu §2 StVO Abs. 1+4 kürzlich wieder klar: Das Fahrrad ist ein Fahrzeug und gehört somit grundsätzlich auf die Fahrbahn, von reinen Kraftfahrstraßen und anderen Ausnahmen abgesehen, wie z.B. einem Pflichtradweg mit blauem Schild, oder generell von Kindern bis 8 Jahren, die auf dem Rad den Gehweg sogar benutzen müssen (§2 Abs.6 StVO), plus einer Aufsichtsperson auf dem Rad (nicht E-Bike), die begleitend auf dem Gehweg mitfahren darf. Das Fahrrad ist somit auf der Fahrbahn zum Auto oder Motorrad als Verkehrsmittel grundsätzlich gleichberechtigt, mit wenigen Besonderheiten wie z.B. einer höheren Schutzbedürftigkeit.

Und hier ist auch mal ein Kompliment an die überragende Mehrheit der GriesheimerInnen zu machen: Viele Griesheimer RadfahrerInnen und AutofahrerInnen praktizieren dies bereits vorbildlich, sind über ihre Rechte und Pflichten gut bis sehr gut informiert, respektieren die Rechte anderer, halten vorbildlich Abstand, gewähren Vorfahrt und bedanken sich freundlich. Genau in dieser Richtung stellt sich die IFFG ein Miteinander von Verkehrsteilnehmenden auf dem Fahrrad, im Auto und zu Fuß vor. Wobei jede/r auch mal Fehler macht, dann kann man sich auch mal entschuldigen.

Dennoch gibt es immer noch eine erschreckende Zahl Autofahrende, die sich mit der Gleichberechtigung der Fahrräder auf der Straße offenbar so schwer tun wie etwa noch vor hundert Jahren viele rückschrittliche Männer mit der Gleichberechtigung der Frau, und sei es auch nur mit dem Frauenwahlrecht in diesem Lande, das heute ja völlig selbstverständlich ist. Es sind nun mal diese Autofahrenden, die immer wieder schreiende Ungerechtigkeiten oder schockierende Gefährdungen im Straßenverkehr schaffen. Weil sie anscheinend noch nicht ganz verstanden haben, was die wirklich aktuellen Regeln sind. Das muss auch gar nicht böser Wille der Autofahrenden sein, sondern kann auch einfach Unkenntnis oder schlechte Erfahrung mit einzelnen ebenfalls rücksichtslosen Radfahrenden sein, die dann jedoch ungerechterweise zum allgemeinen Feindbild „Radfahrer sind alle böse“ hochgekocht wird.

Diese grundsätzliche Gleichberechtigung auf der Fahrbahn heißt auch keineswegs, dass Radfahrende – genauso wie Autofahrende – etwa alles richtig machen würden und deshalb nicht etwa sachlich kritisiert werden dürften. Sachliche Kritik, die zutrifft, muss jede/r akzeptieren können, egal ob im Auto oder zu Fuß oder auf dem Rad. Wo Radfahrende etwas falsch machen, z.B. Fahren ohne Licht bei Dunkelheit, hat das natürlich Kritik (und ggfs. auch Ahndung) verdient. Wo Radfahrende z.B. auf einem Gehweg fahren, der nicht für den Radverkehr freigegeben ist (das gilt auch für Opas und Omas), natürlich auch. Dieses Verbot gilt selbstverständlich auch für Lastenräder mit Kindertransport, die haben auf einem reinen Gehweg auch nichts verloren. Die einzige Ausnahme sind Kinder unter 8 Jahren auf dem Rad, die sogar auf dem Gehweg fahren müssen, plus einer erwachsenen Begleitperson. Aber auch die müssen ihre Geschwindigkeit begegnenden Fußgängern anpassen und sollten möglichst niemanden gefährden.

Doch zur Fairness gehört auch, dass man Gleichberechtigung anerkennt, dass man nicht nur die völlig zu Recht kritisierten Fahrrad-Rowdies, sondern auch die überragende Mehrheit der freundlichen RadfahrerInnen wahrnimmt, die sich – genau wie die freundlichen AutofahrerInnen, überraschend gut an die Regeln der StVO halten und freundlich aufeinander Rücksicht nehmen. Feindbilder helfen nicht.

Zu sagen: „Radfahrende sind mit Autofahrenden gleichberechtigt“, heißt übrigens nicht: „Du bist als Autofahrender mein Feind.“ Sondern es heißt einfach nur: „Wir sind auf der Fahrbahn im Auto und auf dem Rad grundsätzlich gleichberechtigt, respektieren gegenseitige Rechte und nehmen aufeinander Rücksicht, damit niemand zu Schaden kommt.“ Genau das wünscht sich die IFFG für Griesheim!

Eine gute Broschüre des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) im Look eines kleinen Langenscheidt-Wörterbuchs kann dabei helfen, auf beiden Seiten Irrtümer aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Da werden sowohl Radfahrer als auch Autofahrer mal treffend satirisch durch den Kakao gezogen und dann auf den Boden der tatsächlichen Rechtslage zurück geführt. Die PDF-Ausgabe ist topaktuell, Stand Mai 2020, also gemäß aktueller StVO: Langenscheidt PKW-Fahrrad, Fahrrad-PKW. Für mehr Verständnis. Hier der Downloadlink. Viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln!

Dooring-Unfallprävention: 10 Gründe warum 1,2 Meter Abstand zu parkenden Autos für Radfahrende notwendig sind

1. Dooring: Pflicht zur Unfall-Prävention (Rechtsprechung zur StVO)

Eines der wohl meistzitierten Gerichtsurteile für den Dooring-Abstand vom Landgericht Berlin definiert bisher am klarsten eine Pflicht des Radfahrers zur Dooring-Unfall-Prävention:

Daraus folgt: Ein Abstand, der noch innerhalb der üblichen Türöffnungszone (Dooringzone) verbleibt, ist zur wirksamen Unfallprävention faktisch nicht ausreichend. Die Dooring-Zone sollte daher von Radfahrenden nicht befahren werden. Dies gilt unabhängig von der Frage einer eventuellen Mitschuld des Radfahrers, in welcher sich die Gerichte hingegen eher uneinig sind.

2. Dooring: Abwendung einer Mitschuld (Rechtsprechung zur StVO)

Laut einem Urteil des OLG Jena (Az. 5 U 596/06) von 2008 wurde ein Radfahrer zu 35% Mitverschulden verurteilt, weil bei einer Kollision mit einer sich öffnenden Autotür laut Gutachten nur 80-90 Zentimeter Abstand vom parkenden Auto hielt und dies nicht ausreiche!

Da Radfahrende technisch keine Möglichkeit haben, ihren Seitenabstand während der Fahrt zu messen, kann bereits aus rechtlichen Gründen nicht mehr empfohlen werden, nur mindestens 1 Meter Abstand zu halten, weil sie sich sonst immer haarscharf an der Mitschuldgrenze bewegen würden. (Vgl. 6. ADFC)

3. Dooring-Abstand: Recht auf körperliche Unversehrtheit (Grundgesetz, StVO, VwV-StVO)

Trotz der Klarheit der o.g. Rechtsprechung gibt es immer wieder Stimmen, die behaupten, ein solcher zur Dooring-Unfallprävention notwendiger Abstand verletze doch das Rechtsfahrgebot. (§2 Abs. 2 StVO). Das ist jedoch nicht der Fall. Denn im Zweifel geht die Pflicht, niemanden zu gefährden (§ 1, Abs. 2 StVO), immer vor. Diese Pflicht gilt selbstverständlich auch gegenüber aussteigenden Autofahrern. Und sie gilt natürlich, wie der renommierte Verkehrsrechtler Dr. jur. Dietmar Kettler (Buch Recht für Radfahrer) treffend betont, immer auch gegenüber sich selbst. Niemand darf gezwungen werden, seine eigene körperliche Unversehrtheit (GG Art. 2) in Gefahr zu bringen. Im Zweifel wiegt der Grundsatz von GG Art.2 und §1 StVO höher als das Rechtsfahrgebot, welches dennoch Gültigkeit behält. Das bedeutet: Es ist möglichst so weit rechts zu fahren wie es ohne Gefährdung seiner selbst und anderer möglich ist.

Dasselbe gilt auch für das Gebot der Flüssigkeit des Verkehrs: Es ist gegenüber dem Gebot der Sicherheit nachrangig. Hierzu gab es mit der StVO-Novelle 2009 eine sehr eindeutige Ergänzung in den Verwaltungsvorschriften zur StVO (VwV-StVO zu §39-43, 5 2.): „Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor.“

4. Bemessungsgrundlage „eine Türbreite“ (Rechtsprechung zur StVO)

Das Landgericht Berlin hat in dem bereits unter 1. genannten Urteil (LG Berlin, Az. 24 O 466/95)  die bereits 1978 vom OLG Karlsruhe (Az. 10 U 283/77) definierte Faustregel von einer Türbreite Abstand ausdrücklich bestätigt, welche bis heute (bis auf wenige Ausnahmen einzelner Gerichte) größte Anerkennung in der Rechtssprechung zur StVO besitzt.

Diese Faustregel bietet zunächst auch zwei Stolpersteine: 1. Man muss nachmessen. 2. Autotüren sind unterschiedlich breit. Radfahrende sollen an einer Parkreihe dennoch keine Schlangenlinien fahren, sondern in möglichst gerader Linie vorbeifahren. Der Referenz-Mindestabstand muss somit nicht nur für die kleinsten Autotüren, sondern mindestens für alle üblichen Türbreiten sicher ausreichen. Legt man dies zu Grunde, dann erweist sich die Faustregel als durchaus klug und praxisnah, denn heute übliche Autotüren sind viel breiter als noch vor 20 oder 40 Jahren!

Trotzdem ist es überfällig, in der StVO nun auch für den Dooring-Abstand (Gefahr von rechts) baldmöglichst einen genauso konkreten und sicheren Abstands-Wert als Recht der Radfahrer zu benennen wie er für den Überholabstand (Gefahr von links) mit mindestens 1,5 Metern benannt und am 28.4.2020 in Kraft getreten ist. Beide Abstände sind gleichermaßen unverzichtbar für die Unfallprävention. Der Mindestüberholabstand, so wichtig er ist, schützt einen nicht vor Dooring-Unfällen, mit möglicherweise schwersten Folgen.

5. Messwerte: Türbreiten heutiger PKW

Die o.g. Gerichte definieren die Anforderung, dass der Abstand an den gegebenen Türbreiten bemessenen werden muss. Dies formuliert die juristische Anforderung Maß zu nehmen: Wie breit sind denn heutige Autotüren, v.a. Fahrertüren? Hier mal eine kleine Tabelle:

Beispiele für Türbreiten (Fahrertür) aktueller PKW:

2-Türer:

        • Fiat 500 2-Türer: 1,23 Meter
        • Smart 2-Türer (ab 2007): 1,27 Meter*
        • Smart 2-Türer (ab 2014): 1,35 Meter*
        • Mini Cooper S 2-Türer: 1,27 Meter
        • Opel Adam 2-Türer: 1,28 Meter
        • Opel Corsa 2-Türer: 1,30 Meter
        • Opel Astra 2-Türer: 1,35 Meter
        • VW Golf Cabrio 2-Türer: 1,30 Meter*
        • BMW 1er 2-Türer: 1,30 Meter
        • Audi A1 2-Türer: 1,24 Meter
        • Audi A5 2-Türer: 1,33 Meter
        • BMW 6er 2-Türer: 1,38 Meter*

4-Türer:

        • Daihatsu Cuore 4-Türer (Kleinwagen): 1,10 Meter*
        • Seat Alhambra 4-Türer: 1,07 Meter*
        • Opel Meriva 4-Türer: 1,07 Meter*
        • Audi A8 4-Türer: 1,14 Meter vorn, 1,21 Meter hinten*
        • BMW X3 4-Türer (kleiner SUV): 1,10 Meter*
        • Renault Avantime 4-Türer (Van): 1,44 Meter*

Quellen: * Mit Stern: Autobild Heft 3/2012. Ohne Stern: IFFG-eigene Messungen (2020).

Daraus folgt:

Bei nur 1 Meter Abstand wäre ein Dooring-Unfall mit den meisten heute gängigen Fahrertüren bereits unvermeidlich. Empfehlungen von nur 1 Meter Abstand sind daher faktisch nicht mehr ausreichend, sondern veraltet.

Zwar ist die tatsächliche volle Türöffnungsbreite meist ca. 10-15% geringer als die Türbreite. Bei einem gewöhnlichen aktuellen VW Golf Zweitürer (1,30 m) liegt sie z.B. bei 1,13 m. Bei einem Mindestabstand von 1,20 m würde somit nur noch ein hauchdünner Puffer-Abstand von 7 cm verbleiben, also gerade noch die Chance bestehen, als Radfahrer/in haarscharf nur mit dem Schrecken davon kommen. Dasselbe gilt nicht etwa nur für exotische Sportcoupés, sondern bereits für alle gängigen zweitürigen Kleinwagen, vom beliebten Fiat 500 über den Opel Corsa oder Mini bis zum Smart. Damit wird deutlich: 1,2 Meter sind das aktuelle Minimum einer wirksamen Dooring-Unfall-Prävention für den Radverkehr!

6. ADFC Verkehrsrechts-Expertise: Mehr als ein Meter!

Auch der ADFC Bundesverband fordert aktuell eindeutig, man solle „stets mit mehr als einem Meter Abstand an parkenden Autos vorbeifahren.“ Das bedeutet, dass nach aktueller Einschätzung des ADFC nur 1 Meter Abstand nicht mehr ausreichend ist. Quelle: ADFC.

Bereits 2011 hat der ADFC Fachausschuss Radverkehr auf Grundlage der Verkehrsrechtsnormen und Rechtsprechungen eines der bisher besten und ausführlichsten Fachdokumente zum Seitenabstand für Radfahrer erarbeitet und kommt darin zu dieser Empfehlung :  „Abstand nach rechts mindestens 80 cm, bei parkenden Fahrzeugen 1,5 m.

7. VCD Verkehrsrechts-Expertise: 1,2 Meter Abstand!

2019 prämierte der VCD eine Aufklärungskampagne der Verkehrswende Bonn zum Gewinner des VCD-Förderpreises 2019 und präzisierte hierzu in seiner Mitgliederzeitschrift Fairkehr, dass Radfahrer auch zu parkenden Fahrzeugen 1,20 Meter Abstand brauchen“.

8. ADAC (Automobilclub) Verkehrsrechts-Expertise

Der ADAC hat technische Ausstiegswarnsysteme für Automobile überprüft und kommt derzeit noch zu einem vernichtenden Ergebnis. Übereinstimmend mit dem Urteil des Landgericht Berlin (siehe 1.) fordert der ADAC daher: „Radfahrer sollten stets einen ausreichenden Seitenabstand zu parkenden Fahrzeugen einhalten.“

Daraus folgt, wie unter 1. ausgeführt: Der Dooring-Abstand des Radfahrers muss nicht nur bei den schmalsten Türen, sondern stets ausreichen, also auch bei allen gängigen Zweitürern wie dem Smart, Fiat 500, Mini, VW Golf, die von hinten oft nicht einmal als Zweitürer erkennbar sind.

9. Relevanz: Häufigkeit und Schwere der Dooring-Unfallfolgen

Dooring-Unfälle gehören zu den gefährlichsten Radverkehrsunfällen überhaupt, mit oft schwersten Verletzungen (Brustkorb, Beine, Kopf, Gehirn) bis tödlichen Folgen.

Laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) ist jeder 14. Radunfall in Deutschland ein Dooring-Unfall.

Studien der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) berichten noch wesentlich höhere Dooringunfallzahlen (u.a. Berichte V9, V257).

Laut einer Forsa-Umfrage von 2019 sind 45% der Radfahrenden schon einmal beinahe mit einer Fahrzeugtür kollidiert.

Damit trägt die Dooring-Unfall-Gefahr erheblich zur gefühlten Unsicherheit des Radfahrens bei und schreckt viele vom Radfahren ab.

Positiv gewendet heißt dies, dass eine wirksame Dooring-Unfall-Prävention die Sicherheit und Attraktivität des Radfahrens erheblich steigern kann, also ein wirksames Mittel zur Radverkehrsförderung darstellt, das geeignet ist, auch ängstliche Radfahrer wieder von den Gehwegen auf die Straße zurück zu bringen und somit auch die Sicherheit des Fußverkehrs zu erhöhen.

10. Praxisbewährt: In Griesheim bereits erfolgreich!

Der Dooring-Sicherheitsabstand von 1,2 Meter ist über unsere ersten vier IFFG Abstand-Banner, mit dem seit Jahren bewährten Motiv der Radlobby Österreich, bereits seit Februar 2020 in Griesheim erfolgreich eingeführt, ganz ohne Protestwelle von Griesheimer BürgerInnen, sondern im Gegenteil mit wachsendem Verständnis für das Anliegen der Verkehrssicherheit.

Die Sicherheit des Radverkehrs auf der B26 Ortsdurchfahrt durch Griesheim ist seitdem spürbar gestiegen!

Eilmeldung: Vortrag „Chancen und Herausforderungen für ein FahrradFreundliches Griesheim“ (17.3.) wird verschoben!

Unter dem Motto „Chancen und Herausforderungen für ein FahrradFreundliches Griesheim“ hatten wir für den 17.3.2020 um 19 Uhr zu einem Info-Vortrag ins Griesheimer Rathaus eingeladen, um erstmals unser Konzept für mehr Sicherheit und Raum für Griesheims Radverkehr vorzustellen.

Nicht nur Griesheims RadfahrerInnen, sondern auch alle Griesheimer Schulen, Kitas, Gewerbetreibende sowie alle mit dem Radverkehr befassten Entscheider und Fraktionen im Griesheimer Rathaus wurden dazu eingeladen. Zahlreiche Griesheimer Geschäftsleute, AmtsträgerInnen und sogar Bürgermeister Krebs-Wetzl hatten die Veranstaltung bereits im Vorfeld sehr begrüßt.

Doch aufgrund der neusten Empfehlungen zur Infektionsprävention von Bund und Land Hessen muss der Vortrag auf einen noch unbestimmten Termin verschoben werden. Eine Veranstaltung für die Sicherheit des Radverkehrs kann auf keinen Fall die Sicherheit ihrer Teilnehmenden vor einer möglichen Ansteckung mit dem Corona-Virus ignorieren. Sicherheit geht immer vor.

Der Vortrag wird zu geeigneter Zeit nachgeholt. Mehr Infos zu den zu erwartenden Vortragsinhalten, siehe hier.

Chancen und Herausforderungen für ein FahrradFreundliches Griesheim – IFFG stellt erstmals öffentlich ihr Konzept vor

Gibt es in Griesheim irgendwo echte Radwege, auf denen Radfahrende Vorrang haben? Oder Fahrradstraßen? Leider beides nein. Im gesamten Stadtgebiet von Griesheim – immerhin eine gewachsene Stadt mit fast 30.000 Einwohnern – findet sich bis heute kein einziger baulich getrennter Radweg, keine einzige Radfahrspur im Sinne der StVO, von innovativen Möglichkeiten wie Fahrradstraßen noch ganz zu schweigen. Die entsprechenden Verkehrszeichen sucht man somit bis heute in ganz Griesheim vergeblich:

Radverkehr wird in Griesheim bislang offenbar nur geduldet, immer noch viel zu oft an den Rand gedrängt, aber jedenfalls noch nicht konsequent gefördert.

Daran hat nicht nur die Verkehrsplanungs-Geschichte der Stadt Griesheim ihren Anteil, sondern auch Hessen mobil. Eine Radverkehrsinfrastruktur entlang der Bundesstraße B26 innerorts durch Griesheim ist bis auf wenige Meter faktisch nicht vorhanden. Radfahrende Berufspendler, Studierende und Schüler werden hierdurch massiv ausgebremst oder gefährdet.

Aber auch mit dem Rad innerorts in Griesheim zur Arbeit, Kita, Schule, Apotheke, zum Einkauf, Arzt, (Sport-)Verein etc. zu fahren, ist immer wieder hochgefährlich.

Doch das muss ja nicht so bleiben.  Es ließe sich sogar zum Guten wenden, mit Vorteilen auch für Anwohner, Auto & Fußverkehr, Gewerbe, Dienstleister, Vereine.

In unserem ersten öffentlichen Info-Vortrag als Griesheimer Bürgerinitiative möchten wir mit vielen Bildern anschaulich zeigen, wo’s noch hakt, aber auch welche einfachen (d.h. sofort umsetzbaren) bis hin zu bundesweit innovativ einzigartigen Chancen Griesheim hat.

Alle Griesheimerinnen und Griesheimer, die gerne Fahrrad fahren und/oder denen RadfahrerInnen (als Kunden, Mitglieder, Besucher, Freunde etc.) willkommen sind, sind sehr herzlich eingeladen, am Dienstag, 17.3.2020, (Termin verschoben, siehe Eilmeldung) um 19 Uhr ins Rathaus zu kommen (Einlass ab 18:30 Uhr) um die Ideen der Griesheimer Bürgerinitiative kennenzulernen und im Anschluss mitzudiskutieren!

Ein EinladungsFlyer zum Weitergeben steht hier unten und im Bereich Infomaterial als PDF zum Download bereit.

Download

Bitte auf das Bild klicken!

Erste vier IFFG Abstand-Banner in Griesheimer Innenstadt genehmigt und aufgehängt!

An unserem ersten Stand auf dem Griesheimer Kürbissonntag am 27.10.2019 präsentierten wir als IFFG zum ersten Mal unser Abstands-Aktions-Banner, das auf der bewährten „Abstand macht sicher“-Grafik der Radlobby Österreich (österreichischer Schwesterverband des deutschen ADFC) aufbaut, in einer von uns an die deutsche Rechtslage angepassten und von der Radlobby genehmigten Version. Das Besucherecho am Stand war sehr positiv.

Doch was nützt es dem Griesheimer Radverkehr, wenn die Banner in Griesheim nur an einem einzigen Tag für gerade mal 6 Stunden zu sehen waren? Das wäre doch zu wenig. Unser Wunsch war es daher, sie entlang der für den Griesheimer Radverkehr hochproblematischen Hauptverkehrsstraße durch Griesheim, von der Hintergasse am westlichen Ortseingang bis zu den beliebten Ladenzeilen auf beiden Seiten der Wilhelm-Leuschner-Straße, gut sichtbar zu platzieren. Wir bemühten uns daher ab November darum, die zuständigen Behörden Ordnungsamt, Polizei sowie Stadtplanungs- & Umweltamt hierfür zu gewinnen, was nach einigen Gesprächen und E-Mails mit Foto-Vorschlägen tatsächlich gelang. Im Januar 2020 kam schließlich die Ankündigung einer Sondergenehmigung vom Ordnungsamt, dass wir ab Mitte/Ende Januar unsere Banner mindestens an zwei Wunschorten entlang der Hauptverkehrsstraße aufhängen können:

Erstens direkt zu Beginn der Hintergasse in Fahrtrichtung West nach Ost, am Parkplatz der Gaststätte Zum Grünen Laub, der auf städtischem Gelände liegt. Dort müssen Fahrzeuge immer wieder an der Ampel warten, was ein bewusstes Wahrnehmen des Banners begünstigt.

Zweitens an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße, gut sichtbar für den Verkehr von Ost nach West, aber auch für den aus der südlichen Friedrich-Ebert-Straße kommenden Verkehr, der dort jeweils ebenfalls oft an der Ampel steht. Diese beiden ersten Banner wurden am 14. Januar aufgehängt.

Der dritte Wunschort, ein Absperrgitter auf HEAG mobilo-Gelände an der Wendeschleife der Straßenbahn-Endhaltestelle (Linie 9) am Platz Bar-le-Duc, wurde von der HEAG ebenfalls genehmigt und am 8. Februar 2020 angebracht. Dieser Ort ist ideal sichtbar für alle AutofahrerInnen, die von Westen kommend wartend an der Ampel stehen, ist aber auch im Vorbeifahren noch grafisch gut erfassbar. 

Das vierte Banner platzierten wir am gleichen Tag, mit Genehmigung des Dienststellenleiters, in westlicher Fahrtrichtung sichtbar an der Polizeistation Griesheim, unweit des Hotel & Café Nothnagel und der Stadtverwaltung Griesheim.

Der positive Effekt der Banner ließ – auch für uns selbst überraschend – nicht lange auf sich warten: Die Banner zeigten schon nach wenigen Wochen eine spürbare Verbesserung für den Radverkehr in der Nähe ihres Anbringungsortes. Endlich verstand dort die Mehrheit der Autofahrenden, warum Radfahrende entlang parkender Autos den zu schmalen Seitenstreifen sicherheitshalber gar nicht befahren sollten, sondern stattdessen wie die Autos die normale Fahrbahn, um den zur Unfallprävention notwendigen Dooring-Abstand (Türöffnungs-Abstand) einzuhalten. Auch der durchschnittliche Überholabstand verbesserte sich nach und nach deutlich.

Unser Dank hierfür als IFFG gilt zunächst allen Entscheidungsträgern der Stadt Griesheim, der Polizei und der HEAG, die die Anbringung der Banner genehmigt und so mitgeholfen haben, die Sicherheit des Radverkehrs in Griesheim bereits etwas zu erhöhen. Er gilt aber auch allen rücksichtsvollen AutofahrerInnen, die die Botschaft des Banners offenbar sehr schnell verstanden und umgesetzt haben. Danke an alle, auch im Namen unserer Griesemer Kinder!

IFFG im Dialog mit der Stadt Griesheim

Am 11. Dezember 2019 trafen sich vier IFFG-Aktive erstmals im Rathaus mit vier VertreterInnen verschiedener Abteilungen der Stadt Griesheim, darunter auch je ein maßgeblicher Vertreter des Ordnungsamts und des Amts für Umwelt und Mobilität, um über Erfahrungen und Perspektiven zum Griesheimer Radverkehr ins Gespräch zu kommen.

Von allen Seiten wurde sehr begrüßt, dass im kommenden Jahr die von der Stadt Griesheim in Auftrag gegebene Radverkehrsanalyse nun tatsächlich ihre Arbeit aufnehmen wird. Hierzu bot die IFFG einen konstruktiven Dialog mit der Stadt und auch mit dem beauftragten Planungsbüro an.

Weniger einig war man sich zunächst darüber, ab wann man zu konkreten Verbesserungen für den Griesheimer Radverkehr kommen könne. Uns von der IFFG, als einer Griesheimer Interessengemeinschaft für eine Verbesserung des Radverkehrs, war es sehr wichtig, dass der Beginn solcher Bemühungen nicht erst nach Abschluss der Radverkehrsanalyse oder noch später steht. Für Griesheims RadfahrerInnen ist es wichtig zu sehen, dass auch schon kurzfristig etwas passiert, wodurch das Radfahren in Griesheim sicherer und somit auch attraktiver wird. Und es gibt Dinge, die auch jetzt schon mit wenig Aufwand sofort umgesetzt werden können.

Der Vorschlag der IFFG war sodann, als erste Maßnahme die für den Kürbissonntag angefertigten Abstand macht sicher-Banner, die ja seitdem wieder in der Abstellkammer verschwunden waren, an vier geeigneten Orten entlang der B26 Ortsdurchfahrt durch Griesheim zwischen Hintergasse und Wagenhalle fest zu installieren. Die auf dem Banner dargestellten Abstandsregeln entsprechen der gängigen Rechtssprechung zur StVO und stellen somit eine sachliche Aufklärung über sicherheitsrelevante Abstandsregeln im Zusammenhang mit dem Radverkehr dar. Die grafische Veranschaulichung, die von der Radlobby e.V. Österreich stammt und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, zeigt schnell erfassbar die Notwendigkeit einer linken und rechten räumlichen Knautschzone für Radfahrer auf.

Positiv überrascht waren wir, als eine kleine Fortsetzung des Dialogs schon sechs Tage später stattfand. Als wir uns als IFFG zum Vorweihnachts-Jahresabschlusstreffen in der Linie Neun einfanden, erhielten wir überraschend von zwei VertreterInnen der Stadt Besuch, die schon am ersten Gespräch teilgenommen hatten. Uns wurde mitgeteilt, dass unser Gespräch und unser Vorschlag positive Resonanz gefunden hatten und man bald auf uns zukommen würde.

Fazit: Auch wenn es stellenweise deutlich unterschiedliche Sichtweisen gab, hat sich das Gespräch sehr gelohnt. Wir konnten eine erste gemeinsame Schnittmenge finden, die sich mit wenig Aufwand für beide Seiten umsetzen lässt. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die dafür notwenigen Genehmigungen nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Beide Seiten bekundeten außerdem die Absicht, weiter konstruktiv für Griesheims Radverkehr im Gespräch zu bleiben und Gespräche dieser Art mehrmals jährlich zu führen.

Wir als IFFG werden darauf achten, dass sich in Griesheim sowohl kurzfristig als auch mittel- und langfristig echte Verbesserungen für den Radverkehr ergeben. Dafür sind wir auch für jede weitere Unterstützung aus der Griesheimer Bürgerschaft dankbar, sei es in Form von  Mitarbeit, Expertise (z.B. Website) oder auch Spenden zur Deckung von Auslagen.

Initiative FahrradFreundliches Griesheim (IFFG) stellt sich am Kürbissonntag (27.10.) vor

Die Initiative FahrradFreundliches Griesheim (IFFG) wird sich am Sonntag, den 27.10.2019, von 12:00 bis 18:00 Uhr auf dem Griesheimer Kürbissonntag erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. Mit ihrem Stand will die Initiative auf aktuelle Probleme des Griesheimer Radverkehrs aufmerksam machen und allen Griesheimer RadfahrerInnen ermöglichen sich zu vernetzen und zu einer starken Stimme in Griesheim zu werden.
 
Allein die Südseite der Griesheimer Hauptverkehrsader Wilhelm-Leuschner-Straße mit dem Rad zu befahren, ist – so die Erfahrung vieler IFFG-UnterstützerInnen – immer wieder bedrohlich. Das beginnt bei einem Schein-Radfahrstreifen, der in Wirklichkeit keiner ist und somit mehr Probleme bereitet als er zu lösen vorgibt. Es setzt sich fort in einer massiven Unkenntnis über geltende Abstands-Rechte und Pflichten des Radverkehrs im gesamten Griesheimer Stadtgebiet.
 
Der Unfall einer jungen Griesheimer Radfahrerin am 16.10., die von einem Autofahrer mit Anhänger viel zu knapp überholt wurde und anschließend mit schweren Sturzverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste, hat in beklemmender Deutlichkeit gezeigt, wie gefährlich Radfahren wird, wenn die von der StVO-Rechtssprechung geforderten Abstandspflichten nicht praktiziert werden. 
 
Die Initiative FahrradFreundliches Griesheim möchte für diese Themen sensibilisieren, sich aber auch für gegenseitigen Respekt der Rechte aller Verkehrsteilnehmenden einsetzen, egal ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto unterwegs. Am Stand an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße zur Wilhelm-Leuschner-Straße, in unmittelbarer Nähe zur Fahrradcodieraktion der Polizei, wird es zahlreiche Informationen zu den Problem-Analysen, Zielen und Vorschlägen der Initiative geben. Die Griesheimer BürgerInnen sind eingeladen diese kennenzulernen, aber auch eigene Erfahrungen einzubringen.
 
Hintergrund-Info:
Die Initiative FahrradFreundliches Griesheim (IFFG) ist eine Griesheimer Bürgerinitiative für mehr Sicherheit, Raum und Attraktivität für den Radverkehr in Griesheim.  Sie macht sich nachhaltig stark für ein innovatives Kinder-, Klima- und FahrradFreundliches Griesheim. Sie steht in strategischer Verbindung mit dem Radentscheid Darmstadt, dem ADFC, VCD und der Radlobby.at.