Erste Fahrraddemo der IFFG: Radverkehr stärken – Klima schützen! Samstag, 11.09.2021, 11 Uhr in Griesheim.

Wann? Samstag, 11.09.2021, um 11.00 Uhr
Wo? Parkplatz Oberndorfer Straße /Marie-Curie-Straße

Geht es euch nicht auch so? Als Radfahrer*in gibt es täglich Situationen, in denen wir uns ärgern – z.B. keine oder schlechte Radwege, fehlende oder schlechte Abstellmöglichkeiten – oder uns sehr unsicher fühlen – z.B. Gefährdungen durch motorisierten Verkehr. 

Wir nutzen dem Klimaschutz zuliebe das Fahrrad für unseren Weg zur Arbeit, zur Schule, zur Uni, zur Kita, zum Sportstudio, zum Verein oder zu unseren Einkaufszielen. Wir erleben in Darmstadt und andernorts, dass spürbare Verbesserungen für den Radverkehr konsequent umgesetzt werden und in Griesheim geht es nicht voran.

Wir möchten unseren Kindern oder gemeinsam mit guten Freunden eine klimafreundliche Mobilität vorleben und werden ausgebremst durch zugeparkte Geh- oder Radwege, fehlende Fahrradwege und immer gefährlicher werdenden Straßenverkehr. Wir haben oft kein gutes Gefühl dabei, unsere Kinder selbständig auf den Weg in die Schule, zum Sportverein oder zu Freund*innen zu schicken.

Oder wir sind nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs und deshalb froh, dank Fahrrad auch im höheren Alter noch selbständig mobil zu sein. Aber die Rücksichtslosigkeit, die auf den Straßen oft herrscht, macht uns Angst.

Statt weiter still hinzunehmen, was schief läuft, geht es jetzt laut und bunt und kreativ auf die Straße! Wir fahren ab 11.00 Uhr auf einer abgesicherten Route durch das Stadtgebiet und übergeben unsere Forderungen an die Stadtpolitik zum Abschluss am Rathaus (ab ca. 12.00 Uhr).

UPDATE: Laut Polizei Griesheim dürfen auch verkehrserzieherisch geschulte Kinder unter 8 Jahren in Begleitung der Eltern ausnahmsweise auf der Straße mitradeln, da die Fahrraddemo wie bei einem Umzug vorn und hinten jeweils polizeidienstlich gesichert ist.

Seid bunt, laut und tragt einen Mund-Nasen-Schutz bei euch!
Ihr erleichtert uns die Planung, wenn ihr uns vorab mitteilt, mit wie vielen Personen ihr teilnehmen möchtet. Nutzt dazu einfach unser Kontaktformular und schreibt in den Betreff „Anmeldung Fahrraddemo“:

Stadtradeln 2021 – Sei dabei und verstärke vom 6.9.-26.9. das Team der „Initiative FahrradFreundliches Griesheim“!

Zum dritten Mal nimmt die Initiative FahrradFreundliches Griesheim an der Kampagne „Stadtradeln“ vom 6. bis 26. September 2021 teil und stellt sich mit einem Team der Griesheimer Konkurrenz.

Wie auch in den beiden letzten Jahren ist das gesteckte Ziel, wieder eine Spitzenplatzierung unter den ersten drei Plätzen (GHS ausgenommen, da Schulradeln) einzunehmen. Die Erfahrung aus den bisherigen Teilnahmen zeigt, dass es unglaublich motivierend ist, die im Alltag und in der Freizeit „erradelten“ Kilometer zu erfassen und das Teamkonto damit stetig zu füllen. Dabei steht der Gedanke im Vordergrund, für möglichst viele Fahrten das Fahrrad dem Auto vorzuziehen und somit einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der Klimabilanz zu leisten.

Beim Team der IFFG können alle mitmachen, und so geht es:

      1. Den Button oben anklicken. Oder folgenden Link: STADTRADELN – Griesheim
      2. Wer schon mal mitgemacht hat: Account reaktivieren. Ansonsten einfach: Neu registrieren.
      3. Dem Team Initiative FahrradFreundliches Griesheim beitreten
      4. Registrierung in der Bestätigungs-E-Mail abschließen.
      5. Ab 6.9. alle geradelten Fahrten und Kilometer eintragen.

Und schon seid ihr dabei und dürft euch auf drei tolle Radfahrwochen freuen!

Euer Team Captain
Heike Erb-Schyguda

Ein Händler, der handelt – Aufstockung der Fahrradabstellplätze bei REWE in Griesheims Südwesten

Ortstermin REWE in der Oberndorfer Straße mit Inhaber Michael Weisbrod: Nachdem Mitte Mai die Fahrradparksituation durch Kundin Heike Erb-Schyguda als unzureichend bemängelt wurde, konnte bereits nach wenigen Wochen am Donnerstag (29.7.2021) die Erweiterung der Radabstellanlage Mitgliedern der Initiative FahrradFreundliches Griesheim (IFFG) präsentiert werden. Eine Anfrage über das Kontaktformular von REWE wurde seinerzeit bereits zwei Tage später persönlich beantwortet und Verbesserungsmaßnahmen zugesagt.
„So wünscht man sich Radverkehrsförderung“ bekundet Erb-Schyguda, die als Alltagsradlerin die Sorgen und Nöte der Radfahrenden bestens im Blick hat. Marktinhaber Weisbrod, der regelmäßig und gerne mit der Familie „per Pedale“ unterwegs ist, hatte den Handlungsbedarf gleich erkannt. „Viele Worte sind nicht so mein Ding“ und deshalb wurden die Fahrradständer sofort bestellt. Diese werden als linksseitige Erweiterung an die bestehenden fest installiert, sobald der zuständige Monteur aus dem Urlaub zurückkehrt. 

Einen kleinen Kritikpunkt mussten die „Radverkehrs-Experten“ jedoch auch anbringen: Für Lasten- und Spezialräder eignet sich das System nicht und auch der in der Griesheimer Stellplatzsatzung festgeschriebene seitliche Abstand zwischen den Fahrradständern von 70 cm erfüllt es (noch) nicht. Michael Weisbrod hat diese Anmerkungen bereits an die regionale Bauabteilung des Handelskonzerns weitergeleitet und somit gezeigt, dass es ihm ein wichtiges Anliegen ist, auf die Bedürfnisse der Rad fahrenden Kundschaft und deren vielfältige Mobilitätsformen eingehen zu können. Denn diese, so haben es Befragungen gezeigt, ist eine treue Kundschaft, die eine zuverlässige Stütze des lokalen Handels ist.

Im Bild (von links nach rechts): Kai Dietrich, Bernhard Reckers (beide IFFG), Marktinhaber Michael Weisbrod, Heike Erb-Schyguda (IFFG).

„Fahrradfahren in Griesheim Teil 2“ im Griesheimer Treffpunkt Nr. 6/2021: IFFG-Anregungen zu Dooring-Zonen, Shopping-Radwegen, Fahrradparken, Kindern auf dem Rad, zu schmalen Fußwegen als „Radweg“?

Die Zeitschrift Griesheimer Treffpunkt hat erstmals ein Interview mit einem IFFG-Aktiven über Lust und Frust des Radfahrens in Griesheim geführt. Im neuen Heft 6/2021 ist nun Teil 2 erschienen. Zu den Themen zählen:

    • gute Fahrradabstellanlagen in Griesheim
    • ein Feedback zur Abstand-Aktion von IFFG und Stadt Griesheim
    • die Idee von Shopping-Radwegen um das Einkaufen per Rad in Griesheim sicherer und attraktiver zu machen (auch im Zentrum auf der Südseite der Wilhelm-Leuschner-Str. und in der Feldstraße am Nordring)
    • die bundesweit innovative Dooring-Zonen-Markierung der Stadt Offenbach
    • u.v.m..

   Hier gibt es das Heft als PDF zum Download oder online lesen. Viel Spaß beim Lesen!

„Stadtradeln“ in Griesheim auch 2020 weiter im Aufwärtstrend – IFFG fährt fast 6.500 km

Obwohl Corona der Kampagne „Stadtradeln“ in diesem Jahr eine große öffentliche Bühne verwehrt hat, setzte sich der Aufwärtstrend in Griesheim hinsichtlich Teilnehmerzahl (2020: 2.309; 2019: 1.778) und gefahrener Kilometer (2020: 217.657 km; 2019: 169.618 km) deutlich fort. In beiden Bereichen zeigte sich eine Steigerung um rund 30% gegenüber dem Vorjahr.

Auch hier bestätigte sich, dass das Radfahren durch die Pandemie in seinem Aufschwung nochmals an Bedeutung gewonnen hat: statt dicht gedrängt in Auto, Bus und Bahn zu sitzen, geht es auf Abstand und an der frischen Luft zur Arbeit, Schule und zum Einkaufen. Die zusätzliche Bewegung hilft, Risikofaktoren wie z.B. Übergewicht zu reduzieren und stärkt direkt das Immunsystem. Und dies beherzigen immer mehr Menschen auch bei uns in Griesheim. Die errechnete Ersparnis von 32 Tonnen innerhalb 3 Wochen ist ein Wert, der beeindruckt.

Den größten Anteil an diesem fantastischen Ergebnis können die Schülerinnen und Schüler nebst Eltern und Lehrerschaft der Gerhart-Hauptmann-Schule für sich beanspruchen. Gratulation auch für den fantastischen 2. Platz beim Schulradeln hessenweit!

Die IFFG landete mit 22 Teilnehmer*innen und 6.487 Kilometern auf dem 5. Platz bei 17 teilnehmenden Teams. Als Neuerung gegenüber 2019 wurden während des Aktionszeitraumes drei leichte Ausfahrten als Team-Building-Maßnahme und zum Erfahrungsaustausch angeboten. Erfreulich war, dass als treueste Mitfahrer ein Paar bei jeder Witterung mit am Start war, das nicht in der Initiative aktiv ist, aber uns mit den gefahrenen Kilometern kräftig unterstützte.

Die IFFG wird gerne weiterhin dem „Stadtradeln“ die Treue halten, denn das erklärte Ziel, den Radverkehrsanteil zu steigern und dafür „das Thema Radverkehr im öffentlichen Diskurs präsenter machen“ (Zitat Stadtradeln.de), ist deckungsgleich mit unseren Bestrebungen.

Gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt der Rechte des Anderen sind das A und O im Straßenverkehr. Im Auto, auf dem Fahrrad und auch zu Fuß. Ein IFFG Plädoyer.

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) wies im letzten Jahr ausdrücklich darauf hin: „Das Fahrrad ist gleichberechtigter Teil des Straßenverkehrs.“ Außerdem stellte auch die Rechtsprechung zu §2 StVO Abs. 1+4 kürzlich wieder klar: Das Fahrrad ist ein Fahrzeug und gehört somit grundsätzlich auf die Fahrbahn, von reinen Kraftfahrstraßen und anderen Ausnahmen abgesehen, wie z.B. einem Pflichtradweg mit blauem Schild, oder generell von Kindern bis 8 Jahren, die auf dem Rad den Gehweg sogar benutzen müssen (§2 Abs.6 StVO), plus einer Aufsichtsperson auf dem Rad (nicht E-Bike), die begleitend auf dem Gehweg mitfahren darf. Das Fahrrad ist somit auf der Fahrbahn zum Auto oder Motorrad als Verkehrsmittel grundsätzlich gleichberechtigt, mit wenigen Besonderheiten wie z.B. einer höheren Schutzbedürftigkeit.

Und hier ist auch mal ein Kompliment an die überragende Mehrheit der GriesheimerInnen zu machen: Viele Griesheimer RadfahrerInnen und AutofahrerInnen praktizieren dies bereits vorbildlich, sind über ihre Rechte und Pflichten gut bis sehr gut informiert, respektieren die Rechte anderer, halten vorbildlich Abstand, gewähren Vorfahrt und bedanken sich freundlich. Genau in dieser Richtung stellt sich die IFFG ein Miteinander von Verkehrsteilnehmenden auf dem Fahrrad, im Auto und zu Fuß vor. Wobei jede/r auch mal Fehler macht, dann kann man sich auch mal entschuldigen.

Dennoch gibt es immer noch eine erschreckende Zahl Autofahrende, die sich mit der Gleichberechtigung der Fahrräder auf der Straße offenbar so schwer tun wie etwa noch vor hundert Jahren viele rückschrittliche Männer mit der Gleichberechtigung der Frau, und sei es auch nur mit dem Frauenwahlrecht in diesem Lande, das heute ja völlig selbstverständlich ist. Es sind nun mal diese Autofahrenden, die immer wieder schreiende Ungerechtigkeiten oder schockierende Gefährdungen im Straßenverkehr schaffen. Weil sie anscheinend noch nicht ganz verstanden haben, was die wirklich aktuellen Regeln sind. Das muss auch gar nicht böser Wille der Autofahrenden sein, sondern kann auch einfach Unkenntnis oder schlechte Erfahrung mit einzelnen ebenfalls rücksichtslosen Radfahrenden sein, die dann jedoch ungerechterweise zum allgemeinen Feindbild „Radfahrer sind alle böse“ hochgekocht wird.

Diese grundsätzliche Gleichberechtigung auf der Fahrbahn heißt auch keineswegs, dass Radfahrende – genauso wie Autofahrende – etwa alles richtig machen würden und deshalb nicht etwa sachlich kritisiert werden dürften. Sachliche Kritik, die zutrifft, muss jede/r akzeptieren können, egal ob im Auto oder zu Fuß oder auf dem Rad. Wo Radfahrende etwas falsch machen, z.B. Fahren ohne Licht bei Dunkelheit, hat das natürlich Kritik (und ggfs. auch Ahndung) verdient. Wo Radfahrende z.B. auf einem Gehweg fahren, der nicht für den Radverkehr freigegeben ist (das gilt auch für Opas und Omas), natürlich auch. Dieses Verbot gilt selbstverständlich auch für Lastenräder mit Kindertransport, die haben auf einem reinen Gehweg auch nichts verloren. Die einzige Ausnahme sind Kinder unter 8 Jahren auf dem Rad, die sogar auf dem Gehweg fahren müssen, plus einer erwachsenen Begleitperson. Aber auch die müssen ihre Geschwindigkeit begegnenden Fußgängern anpassen und sollten möglichst niemanden gefährden.

Doch zur Fairness gehört auch, dass man Gleichberechtigung anerkennt, dass man nicht nur die völlig zu Recht kritisierten Fahrrad-Rowdies, sondern auch die überragende Mehrheit der freundlichen RadfahrerInnen wahrnimmt, die sich – genau wie die freundlichen AutofahrerInnen, überraschend gut an die Regeln der StVO halten und freundlich aufeinander Rücksicht nehmen. Feindbilder helfen nicht.

Zu sagen: „Radfahrende sind mit Autofahrenden gleichberechtigt“, heißt übrigens nicht: „Du bist als Autofahrender mein Feind.“ Sondern es heißt einfach nur: „Wir sind auf der Fahrbahn im Auto und auf dem Rad grundsätzlich gleichberechtigt, respektieren gegenseitige Rechte und nehmen aufeinander Rücksicht, damit niemand zu Schaden kommt.“ Genau das wünscht sich die IFFG für Griesheim!

Eine gute Broschüre des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) im Look eines kleinen Langenscheidt-Wörterbuchs kann dabei helfen, auf beiden Seiten Irrtümer aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Da werden sowohl Radfahrer als auch Autofahrer mal treffend satirisch durch den Kakao gezogen und dann auf den Boden der tatsächlichen Rechtslage zurück geführt. Die PDF-Ausgabe ist topaktuell, Stand Mai 2020, also gemäß aktueller StVO: Langenscheidt PKW-Fahrrad, Fahrrad-PKW. Für mehr Verständnis. Hier der Downloadlink. Viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln!

Dooring-Unfallprävention: 10 Gründe warum 1,2 Meter Abstand zu parkenden Autos für Radfahrende notwendig sind

1. Dooring: Pflicht zur Unfall-Prävention (Rechtsprechung zur StVO)

Eines der wohl meistzitierten Gerichtsurteile für den Dooring-Abstand vom Landgericht Berlin definiert bisher am klarsten eine Pflicht des Radfahrers zur Dooring-Unfall-Prävention:

Daraus folgt: Ein Abstand, der noch innerhalb der üblichen Türöffnungszone (Dooringzone) verbleibt, ist zur wirksamen Unfallprävention faktisch nicht ausreichend. Die Dooring-Zone sollte daher von Radfahrenden nicht befahren werden. Dies gilt unabhängig von der Frage einer eventuellen Mitschuld des Radfahrers, in welcher sich die Gerichte hingegen eher uneinig sind.

2. Dooring: Abwendung einer Mitschuld (Rechtsprechung zur StVO)

Laut einem Urteil des OLG Jena (Az. 5 U 596/06) von 2008 wurde ein Radfahrer zu 35% Mitverschulden verurteilt, weil bei einer Kollision mit einer sich öffnenden Autotür laut Gutachten nur 80-90 Zentimeter Abstand vom parkenden Auto hielt und dies nicht ausreiche!

Da Radfahrende technisch keine Möglichkeit haben, ihren Seitenabstand während der Fahrt zu messen, kann bereits aus rechtlichen Gründen nicht mehr empfohlen werden, nur mindestens 1 Meter Abstand zu halten, weil sie sich sonst immer haarscharf an der Mitschuldgrenze bewegen würden. (Vgl. 6. ADFC)

3. Dooring-Abstand: Recht auf körperliche Unversehrtheit (Grundgesetz, StVO, VwV-StVO)

Trotz der Klarheit der o.g. Rechtsprechung gibt es immer wieder Stimmen, die behaupten, ein solcher zur Dooring-Unfallprävention notwendiger Abstand verletze doch das Rechtsfahrgebot. (§2 Abs. 2 StVO). Das ist jedoch nicht der Fall. Denn im Zweifel geht die Pflicht, niemanden zu gefährden (§ 1, Abs. 2 StVO), immer vor. Diese Pflicht gilt selbstverständlich auch gegenüber aussteigenden Autofahrern. Und sie gilt natürlich, wie der renommierte Verkehrsrechtler Dr. jur. Dietmar Kettler (Buch Recht für Radfahrer) treffend betont, immer auch gegenüber sich selbst. Niemand darf gezwungen werden, seine eigene körperliche Unversehrtheit (GG Art. 2) in Gefahr zu bringen. Im Zweifel wiegt der Grundsatz von GG Art.2 und §1 StVO höher als das Rechtsfahrgebot, welches dennoch Gültigkeit behält. Das bedeutet: Es ist möglichst so weit rechts zu fahren wie es ohne Gefährdung seiner selbst und anderer möglich ist.

Dasselbe gilt auch für das Gebot der Flüssigkeit des Verkehrs: Es ist gegenüber dem Gebot der Sicherheit nachrangig. Hierzu gab es mit der StVO-Novelle 2009 eine sehr eindeutige Ergänzung in den Verwaltungsvorschriften zur StVO (VwV-StVO zu §39-43, 5 2.): „Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor.“

4. Bemessungsgrundlage „eine Türbreite“ (Rechtsprechung zur StVO)

Das Landgericht Berlin hat in dem bereits unter 1. genannten Urteil (LG Berlin, Az. 24 O 466/95)  die bereits 1978 vom OLG Karlsruhe (Az. 10 U 283/77) definierte Faustregel von einer Türbreite Abstand ausdrücklich bestätigt, welche bis heute (bis auf wenige Ausnahmen einzelner Gerichte) größte Anerkennung in der Rechtssprechung zur StVO besitzt.

Diese Faustregel bietet zunächst auch zwei Stolpersteine: 1. Man muss nachmessen. 2. Autotüren sind unterschiedlich breit. Radfahrende sollen an einer Parkreihe dennoch keine Schlangenlinien fahren, sondern in möglichst gerader Linie vorbeifahren. Der Referenz-Mindestabstand muss somit nicht nur für die kleinsten Autotüren, sondern mindestens für alle üblichen Türbreiten sicher ausreichen. Legt man dies zu Grunde, dann erweist sich die Faustregel als durchaus klug und praxisnah, denn heute übliche Autotüren sind viel breiter als noch vor 20 oder 40 Jahren!

Trotzdem ist es überfällig, in der StVO nun auch für den Dooring-Abstand (Gefahr von rechts) baldmöglichst einen genauso konkreten und sicheren Abstands-Wert als Recht der Radfahrer zu benennen wie er für den Überholabstand (Gefahr von links) mit mindestens 1,5 Metern benannt und am 28.4.2020 in Kraft getreten ist. Beide Abstände sind gleichermaßen unverzichtbar für die Unfallprävention. Der Mindestüberholabstand, so wichtig er ist, schützt einen nicht vor Dooring-Unfällen, mit möglicherweise schwersten Folgen.

5. Messwerte: Türbreiten heutiger PKW

Die o.g. Gerichte definieren die Anforderung, dass der Abstand an den gegebenen Türbreiten bemessenen werden muss. Dies formuliert die juristische Anforderung Maß zu nehmen: Wie breit sind denn heutige Autotüren, v.a. Fahrertüren? Hier mal eine kleine Tabelle:

Beispiele für Türbreiten (Fahrertür) aktueller PKW:

2-Türer:

        • Fiat 500 2-Türer: 1,23 Meter
        • Smart 2-Türer (ab 2007): 1,27 Meter*
        • Smart 2-Türer (ab 2014): 1,35 Meter*
        • Mini Cooper S 2-Türer: 1,27 Meter
        • Opel Adam 2-Türer: 1,28 Meter
        • Opel Corsa 2-Türer: 1,30 Meter
        • Opel Astra 2-Türer: 1,35 Meter
        • VW Golf Cabrio 2-Türer: 1,30 Meter*
        • BMW 1er 2-Türer: 1,30 Meter
        • Audi A1 2-Türer: 1,24 Meter
        • Audi A5 2-Türer: 1,33 Meter
        • BMW 6er 2-Türer: 1,38 Meter*

4-Türer:

        • Daihatsu Cuore 4-Türer (Kleinwagen): 1,10 Meter*
        • Seat Alhambra 4-Türer: 1,07 Meter*
        • Opel Meriva 4-Türer: 1,07 Meter*
        • Audi A8 4-Türer: 1,14 Meter vorn, 1,21 Meter hinten*
        • BMW X3 4-Türer (kleiner SUV): 1,10 Meter*
        • Renault Avantime 4-Türer (Van): 1,44 Meter*

Quellen: * Mit Stern: Autobild Heft 3/2012. Ohne Stern: IFFG-eigene Messungen (2020).

Daraus folgt:

Bei nur 1 Meter Abstand wäre ein Dooring-Unfall mit den meisten heute gängigen Fahrertüren bereits unvermeidlich. Empfehlungen von nur 1 Meter Abstand sind daher faktisch nicht mehr ausreichend, sondern veraltet.

Zwar ist die tatsächliche volle Türöffnungsbreite meist ca. 10-15% geringer als die Türbreite. Bei einem gewöhnlichen aktuellen VW Golf Zweitürer (1,30 m) liegt sie z.B. bei 1,13 m. Bei einem Mindestabstand von 1,20 m würde somit nur noch ein hauchdünner Puffer-Abstand von 7 cm verbleiben, also gerade noch die Chance bestehen, als Radfahrer/in haarscharf nur mit dem Schrecken davon kommen. Dasselbe gilt nicht etwa nur für exotische Sportcoupés, sondern bereits für alle gängigen zweitürigen Kleinwagen, vom beliebten Fiat 500 über den Opel Corsa oder Mini bis zum Smart. Damit wird deutlich: 1,2 Meter sind das aktuelle Minimum einer wirksamen Dooring-Unfall-Prävention für den Radverkehr!

6. ADFC Verkehrsrechts-Expertise: Mehr als ein Meter!

Auch der ADFC Bundesverband fordert aktuell eindeutig, man solle „stets mit mehr als einem Meter Abstand an parkenden Autos vorbeifahren.“ Das bedeutet, dass nach aktueller Einschätzung des ADFC nur 1 Meter Abstand nicht mehr ausreichend ist. Quelle: ADFC.

Bereits 2011 hat der ADFC Fachausschuss Radverkehr auf Grundlage der Verkehrsrechtsnormen und Rechtsprechungen eines der bisher besten und ausführlichsten Fachdokumente zum Seitenabstand für Radfahrer erarbeitet und kommt darin zu dieser Empfehlung :  „Abstand nach rechts mindestens 80 cm, bei parkenden Fahrzeugen 1,5 m.

7. VCD Verkehrsrechts-Expertise: 1,2 Meter Abstand!

2019 prämierte der VCD eine Aufklärungskampagne der Verkehrswende Bonn zum Gewinner des VCD-Förderpreises 2019 und präzisierte hierzu in seiner Mitgliederzeitschrift Fairkehr, dass Radfahrer auch zu parkenden Fahrzeugen 1,20 Meter Abstand brauchen“.

8. ADAC (Automobilclub) Verkehrsrechts-Expertise

Der ADAC hat technische Ausstiegswarnsysteme für Automobile überprüft und kommt derzeit noch zu einem vernichtenden Ergebnis. Übereinstimmend mit dem Urteil des Landgericht Berlin (siehe 1.) fordert der ADAC daher: „Radfahrer sollten stets einen ausreichenden Seitenabstand zu parkenden Fahrzeugen einhalten.“

Daraus folgt, wie unter 1. ausgeführt: Der Dooring-Abstand des Radfahrers muss nicht nur bei den schmalsten Türen, sondern stets ausreichen, also auch bei allen gängigen Zweitürern wie dem Smart, Fiat 500, Mini, VW Golf, die von hinten oft nicht einmal als Zweitürer erkennbar sind.

9. Relevanz: Häufigkeit und Schwere der Dooring-Unfallfolgen

Dooring-Unfälle gehören zu den gefährlichsten Radverkehrsunfällen überhaupt, mit oft schwersten Verletzungen (Brustkorb, Beine, Kopf, Gehirn) bis tödlichen Folgen.

Laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) ist jeder 14. Radunfall in Deutschland ein Dooring-Unfall.

Studien der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) berichten noch wesentlich höhere Dooringunfallzahlen (u.a. Berichte V9, V257).

Laut einer Forsa-Umfrage von 2019 sind 45% der Radfahrenden schon einmal beinahe mit einer Fahrzeugtür kollidiert.

Damit trägt die Dooring-Unfall-Gefahr erheblich zur gefühlten Unsicherheit des Radfahrens bei und schreckt viele vom Radfahren ab.

Positiv gewendet heißt dies, dass eine wirksame Dooring-Unfall-Prävention die Sicherheit und Attraktivität des Radfahrens erheblich steigern kann, also ein wirksames Mittel zur Radverkehrsförderung darstellt, das geeignet ist, auch ängstliche Radfahrer wieder von den Gehwegen auf die Straße zurück zu bringen und somit auch die Sicherheit des Fußverkehrs zu erhöhen.

10. Praxisbewährt: In Griesheim bereits erfolgreich!

Der Dooring-Sicherheitsabstand von 1,2 Meter ist über unsere ersten vier IFFG Abstand-Banner, mit dem seit Jahren bewährten Motiv der Radlobby Österreich, bereits seit Februar 2020 in Griesheim erfolgreich eingeführt, ganz ohne Protestwelle von Griesheimer BürgerInnen, sondern im Gegenteil mit wachsendem Verständnis für das Anliegen der Verkehrssicherheit.

Die Sicherheit des Radverkehrs auf der B26 Ortsdurchfahrt durch Griesheim ist seitdem spürbar gestiegen!

IFFG beim Stadtradeln 2020 am Start – jetzt im IFFG-Team anmelden und Kilometer sammeln (5.-25.9.2020)!

In diesem Jahr tritt die Initiative FahrradFreundliches Griesheim (IFFG) zum zweiten Mal beim Stadtradeln an und hat sich zum Ziel gesetzt, das letztjährige beachtliche Ergebnis von mehr als 6 800 Kilometern zu überbieten. Da dies nur mit einem starken Team geschafft werden kann, rufen wir alle fahrradfahrenden Griesheimer*innen auf, alle ihre im Zeitraum vom 5. bis 25. September gefahrenen Kilometer für mehr Fahrradfreundlichkeit einzusetzen:

Registriert euch unter www.stadtradeln.de/griesheim und werdet Teil des Teams der IFFG!

Zusatzangebot: Touren des IFFG-Stadtradeln-Teams

An folgenden Terminen finden drei Flachlandtouren von ca. 20 km durchs Ried statt, abseits stark befahrener Straßen zum Informationsaustausch in Sachen Radverkehr in Griesheim.

Termine:

    • Samstag, 05.09.2020, 10.00 Uhr
    • Mittwoch, 16.09.2020, 18.00 Uhr
    • Freitag, 25.09.2020, 17.00 Uhr

Treffpunkt:

Bei der „Zwewwelfraa“ am Marktplatz (Hans-Karl-Platz)

IFFG bei der ersten Ortsbefahrung der Radwegenetzanalyse Griesheim 2020

Im Rahmen der Ortsbefahrung zur Radwegenetzanalyse Griesheim am Samstag, den 20. Juni 2020, nahmen Heike Erb-Schyguda und Martin Wiediger als Vertretung der IFFG teil. Auf zwei Routen, die das westliche und östliche Stadtgebiet abdeckten, wurden kritische Verkehrspunkte angefahren und diskutiert. Wir berichten hier von den acht Stationen der Route durch den Griesheimer Westen:

1) Bereits der erste angefahrene Punkt, die Kreuzung Wilhelm-Leuschner-Straße und Schöneweibergasse, bot eine Vielzahl von Erschwernissen für einen sicheren Radverkehr auf. Angefangen von der zu knapp bemessenen Aufstellfläche an der Fußgänger-Ampel (Kinder!) zwischen Straßenbahngleisen und Fahrbahn der B26, über die Hochrisiko-Nutzung des Schein-Radstreifens auf der Südseite, bis hin zu einem unzureichenden Angebot für Radfahrende auf der Nordseite kam gleich zu Beginn eine lebhafte Diskussion auf: Die korrekte Fahrbahnnutzung durch Radfahrende führt leider oft zu aggressivem Verhalten von Autofahrenden. Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn, mit Abstand zu parkenden Autos, könnten deutlich machen, dass regulär auf der Fahrbahn gefahren werden kann. In der Fußgängerzone (nur Nordseite) sind wiederum Konflikte mit Fußgängern möglich, da dort nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist. Einigkeit herrschte darüber, dass der allmählich verblassende Schein-Radstreifen (Südseite), dessen unzulässige Fahrrad-Piktogramme schon vor längerer Zeit abgefräst wurden, gänzlich entfernt werden muss.

2) Über die Schöneweibergasse, eine gerne genutzte Achse zwischen Innenstadt und Gewerbegebiet, ging es weiter zum Nordring. Unterwegs konnte man das eine oder andere gewagte Überholmanöver durch PKW erleben, was der Befahrung eine gewisse Alltagsnähe verlieh. An der Kreuzung zum Nordring wurde der Zweirichtungs-Rad- und -Fußweg in Augenschein genommen, der unter heute gültigen Maßgaben nicht rechtskonform (viel zu schmal) ist. Zudem ist die Beschaffenheit mit zahlreichen Unebenheiten, seitlicher Einengung durch wuchernde Hecken und unübersichtliche Ein- und Ausfahrten alles andere als einladend.

3) In westlicher Richtung endet der Rad- und Fußweg des Nordrings mit dem Ende der Bebauung abrupt. Man ist als Radfahrer*in gezwungen, die vielbefahrene Straße weiter zu nutzen. Mit mehr als zehn Radfahrer*innen, einschließlich eines uniformierten Stadtpolizisten, war dies mit einigermaßen sicherem Gefühl möglich. Einige Autofahrer hielt es dennoch nicht davon ab, den seit dem 28.4.2020 gesetzlich vorgeschriebenen Mindestüberholabstand von 1,5m innerorts und 2m außerorts teils erheblich zu unterschreiten. Besonders überraschend: Dies wurde von den mitfahrenden Vertretern von Polizei und Ordnungsamt nicht einmal andeutungsweise beanstandet.

4) Auf landwirtschaftlich genutzten Wegen führte die Route anschließend weiter zur Grillhütte West und von dort zurück zur Unterführung unter der L3303 Richtung Mühlenweg, die Teil einer Radwege-Verbindung von Wolfskehlen nach Griesheim Nord und umgekehrt ist. Hier wurden die Problematik des Begegnungsverkehrs zwischen Radlern und Fußgängern sowie die schlechte Beleuchtung und Einsehbarkeit erörtert, und die Möglichkeiten, diese Gefahren zu entschärfen.

5) Beim nächsten Stopp an der neu gestalteten Kreuzgasse wurde beispielhaft die nun vom Jean-Bernard-Platz (Am Kreuz) bis zur Pfützenstraße verlängerte „Verkehrsberuhigte Zone“ (umgangssprachlich: Spielstraße) als eine für Fahrradfahrende sichere Wegführung präsentiert. Wobei das dort geforderte Schritttempo von 6 km/h für Radfahrende (z.B. Berufspendler oder Schüler der GHS) nicht unbedingt reizvoll ist. Dass nur ein Bruchteil der Verkehrsteilnehmer überhaupt die dort gültigen Verkehrsregeln kennt und befolgt, steht auf einem anderen Blatt.

6) Die B26 wurde sodann von der Pfützenstraße in die Oberndorfer Straße überquert, um weiter Richtung Süden zu fahren. Unterwegs nahm die Gruppe zunächst die Baustelle zur Umgestaltung der Kreuzung Oberndorfer Straße in Höhe Flecksweg und Magdalenenstraße (KiTa!) in Augenschein. Die nach Süden versetzte Fußgängerampel sowie die Einengung der Fahrbahn soll dort zukünftig eine sichere Querung für KiTa- und Schulkinder ermöglichen. Die ab derselben Kreuzung Richtung Süden beidseits recht breiten Gehwege laden prinzipiell zum Radfahren ein. Die IFFG wies darauf hin, dass eine Radweg-Beschilderung beidseitig immer noch fehlt, jedoch für klare Verhältnisse sorgen würde.

7) Am Kreisel (Kreuzung Oberndorfer Straße mit Westring und Südring) wurde die vom Südring aus unsichere Querung für Fuß- und Radverkehr zu den Einkaufsmöglichkeiten in der Oberndorfer Straße bemängelt. Von Pfungstadt oder Riedstadt kommend fehlt eine weitere Querung an der südlichen Ein- und Ausfahrt des Kreisels Richtung Südring. Im Südring selbst ist der nördliche Fußweg zwar für den Radverkehr freigegeben, aber für zügiges Fahren ungeeignet (nur Schritttempo), aufgrund der zahlreichen Fußwegeinmündungen aber auch für langsame Radfahrer und Kinder mit Risiken verbunden. Das gleichberechtigte Radfahren auf der Fahrbahn wird hingegen von einigen KFZ-Verkehrsteilnehmern nicht toleriert.

8) Die letzte Station führte vom Südring zur Odenwaldstraße. Bei einem von der IFFG erbetenen Stopp an der Schillerschule offenbarte sich im Gespräch mit den Amtsträgern bei Ordnungsamt und Stadtpolizei ein Grundproblem der bislang mangelnden Radverkehrsförderung: Zum einen wird der Radverkehr nicht als gleichwertige Mobilitätsform angesehen. Zum anderen werden ausschließlich Unfallstatistiken zur Bewertung der Sicherheitslage für Radfahrer hinzugezogen. Der Faktor „subjektives Sicherheitsempfinden“, der entscheidend ist bei der Frage, ob das Fahrrad dem Auto vorgezogen und somit der Radverkehr auch tatsächlich gefördert wird, wird ganz außer Acht gelassen. Denn die alltäglichen Gefährdungen durch Missachtung der Rechte von Radfahrer*innen gehen in keine Statistik ein, sind für den oder die Einzelne*n aber ein Entscheidungskriterium, bestimmte Wege mit dem Fahrrad zu bewältigen oder eben nicht. In der Frage, wie Kinder ihren Platz im Straßenverkehr finden sollen, zeigte sich auch seitens der Vertreterin des Planungsbüros noch ein radverkehrerzieherischer Hemmschuh. Sie plädierte dafür, dass Kinder nicht vor dem zehnten Lebensjahr, also erst nach der schulischen Verkehrserziehung, mit dem Rad zur Schule fahren sollten. Aus Sicht der Eltern in der IFFG ginge dies nicht nur an den Mobilitäts-Bedürfnissen und –Realitäten der Kinder vorbei, es widerspricht auch dem Grundsatz einer Radverkehrsförderung von Anfang an. Den Kindern würde hierdurch sehr viel Entwicklungspotential beschnitten und im doppelten Wortsinn eigene „Erfahrung“ und Radverkehrskompetenz unmöglich gemacht. Kinder, die viele Strecken passiv im Auto transportiert werden, haben deutliche Nachteile gegenüber Kindern, die ihr Lebensumfeld selbstständig erkunden, Wegstrecken einschätzen lernen und den Orientierungs- und Gleichgewichtssinn trainieren.

Bei der abschließenden Zusammenkunft beider Gruppen am Rathaus kristallisierte sich als Hauptanliegen heraus, die Wilhelm-Leuschner-Straße fahrradfreundlicher zu gestalten, damit die Innenstadt auf sicherem und attraktivem Weg erreicht werden kann. Hierbei wurde angeregt, auch die Möglichkeiten der Entfernung bestehender Parkflächen oder eines Mischverkehrs von Auto und Straßenbahn in die Überlegungen mit einzubeziehen, um Raum zu gewinnen.

Fazit: 

Bei den ausgewählten Zwischenstopps kamen bereits bekannte Mängel und Lücken der Infrastruktur zur Sprache: Es fehlt an Durchgängigkeit der Wegeführung. Vorhandene Zweirichtungs-Fuß-und-Radwege (z.B. am Nordring) sind nicht rechtskonform (zu schmal), dadurch unsicher und noch dazu in schlechtem Zustand. Es gibt Sicherheitsmängel, z.B. wegen fehlender Beleuchtung in Unterführungen (Richtung Grillhütte West). So weit, so bekannt und erwartet.

Was uns allerdings in dieser Deutlichkeit überrascht hat, ist, dass es seitens Politik und Verwaltung zwar eine Bereitschaft gibt, sich mit dem Thema „Radverkehr“ zu beschäftigen, aber eine echte Radverkehrsförderung, mit der Schaffung von echten Vorteilen des nicht-motorisierten Verkehrs gegenüber dem motorisierten Individualverkehr, nicht erkennbar ist. So wurde etwa auf den Vorschlag hin, die unmittelbare Schulumgebung kurzzeitig vor Schulbeginn für den motorisierten Verkehr zu sperren (z.B. durch versenkbare Poller) von Vertretern des Griesheimer Ordnungsamtes sofort eingewendet, dass „der Straßenverkehr nicht behindert werden darf“. Der Straßenverkehr zu einer kommunalen Schule besteht also in der Vorstellung der Amtsträger nicht etwa aus zu Fuß gehenden Kindern, jüngeren Rad fahrenden Kindern in Begleitung ihrer Eltern und selbstständig Fahrrad fahrenden älteren Schüler*innen, gleichberechtigt mit dem Autoverkehr? Mehr noch: Soll dieser nichtmotorisierte Schulwegs-Verkehr der Kinder durch die einseitige Bevorteilung des Autoverkehrs weiter gefährdet und behindert werden? So rückt eine Verkehrswende und Radverkehrsförderung natürlich immer weiter weg, anstatt vorangetrieben zu werden.

Trotzdem sieht die IFFG solche Begegnungen als echte Chance, dass sich bestehende Perspektiven immerhin zukünftig in Richtung einer ernst gemeinten Radverkehrsförderung verändern und somit den Umstieg auf das Rad (ob nun gewollt oder ungewollt) nicht mehr faktisch blockieren, sondern tatsächlich attraktiver machen. Daher begrüßt die IFFG ausdrücklich die laufende Radverkehrsstudie und Bürgerbeteiligung von Stadt Griesheim und dem Planungsbüro Mobilitätslösung. Die Teilnahme war sehr aufschlussreich und hat sich auf jeden Fall gelohnt.

(Aktualisiert am 25.08.2020)

Bildquellen:

    • Foto 2: HES
    • Foto 1, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10 und Startfoto: MW

Eilmeldung: Vortrag „Chancen und Herausforderungen für ein FahrradFreundliches Griesheim“ (17.3.) wird verschoben!

Unter dem Motto „Chancen und Herausforderungen für ein FahrradFreundliches Griesheim“ hatten wir für den 17.3.2020 um 19 Uhr zu einem Info-Vortrag ins Griesheimer Rathaus eingeladen, um erstmals unser Konzept für mehr Sicherheit und Raum für Griesheims Radverkehr vorzustellen.

Nicht nur Griesheims RadfahrerInnen, sondern auch alle Griesheimer Schulen, Kitas, Gewerbetreibende sowie alle mit dem Radverkehr befassten Entscheider und Fraktionen im Griesheimer Rathaus wurden dazu eingeladen. Zahlreiche Griesheimer Geschäftsleute, AmtsträgerInnen und sogar Bürgermeister Krebs-Wetzl hatten die Veranstaltung bereits im Vorfeld sehr begrüßt.

Doch aufgrund der neusten Empfehlungen zur Infektionsprävention von Bund und Land Hessen muss der Vortrag auf einen noch unbestimmten Termin verschoben werden. Eine Veranstaltung für die Sicherheit des Radverkehrs kann auf keinen Fall die Sicherheit ihrer Teilnehmenden vor einer möglichen Ansteckung mit dem Corona-Virus ignorieren. Sicherheit geht immer vor.

Der Vortrag wird zu geeigneter Zeit nachgeholt. Mehr Infos zu den zu erwartenden Vortragsinhalten, siehe hier.